Unser
Ziel haben wir alsbald erreicht: die Halbinsel Crozon in der
Bretagne.
Erster
Spot: La Palue.
Erste
Surfsession: etwa eine Stunde nach Ankunft.
„La
Palue“ empfing uns einfach atemberaubend. In die große Bucht lief
ein Set nach dem anderen. Die smaragdgrünen Wellen türmten sich
hintereinander auf. Und vom Strand aus stehend konnte man dank
ansehnlicher Höhe auch kaum mehr den Horizont erkennen. Statt dessen
sahen wir in tolle Faces und beschlossen rasch die Wellenreiter
auszupacken.
Nicht
zuletzt als ich Andre eine riesengroße Welle anpaddeln sah, die ihm
im Take-off herrlichst verschluckt hat (glich einem
Kopfstand-Überschlag), war mir klar, dass die Wellen für mein
Surflevel deutlich zu groß waren. Selten kam ich durch den Schaum
raus ins Line Up und hab so mit meinen Mini-Malibu mehr Schaumwalzen
gerippt als echte Wellen. Trotzdem kamen wir strahlend vom Wasser.
Wie geil wäre das bitte, wenn der Urlaub so weiter geht?! Dann würde
ich entweder ganz viel lernen oder den Wellenreiter bald bei ebay
einstellen. Hihi!
Ein
paar Tage später ertappte ich mich dabei, meinen Urlaubspartner
Andre für den Surfstress, den er machte, zu verfluchen. Um auf keine
Session zu verzichten, fiel der komplette Mädchen-Sightseeing Faktor
hinten über. Statt morgens die schönen französischen Märkte zu
besuchen, Apfelbauern (Cidre) oder Ziegenhaltern
(Ziegenkäseherstellung) über die Schulter zu schauen oder den
Trubel in den größeren Städten live zu erleben, musste gesurft
werden. Meine Reaktionen amüsierten Andre köstlich, der schon
feierte, der „Surfbetty“, wie er mich dann nannte, das Surfen
ungenießbar zu machen. Dafür kam ich immer auf meine Kosten, wenn
ein Spotwechsel anstand. Denn dann gab es ja andere Dörfer und
Städte, die man auf der Durchreise erkunden konnte – im Bus
versteht sich. Aber irgendwie war das Surffieber ja nachvollziehbar.
Bei uns gibt’s diese Surfbedingungen eben nicht. Schlussendlich ist
die „Betty“ ja auch surfsüchtig wie immer.
Mein
Lieblingsspot war „Lostmarc´h“. Hier zieht eine Lift-Strömung
am Felsen entlang direkt ins Line Up. Schöne große Wellen in einer
kleinen Bucht, die man nur zu Fuß von La Palue aus oder über einen
kleinen Parkplatz vor dem Naturschutzgebiet erreicht. Herrliche
Naturidylle. Dazu nur wenige andere Surfer. Ein paar Engländer und
zwei Franzosen trafen wir dort immer wieder. Man grüßte und feierte
sich gegenseitig. Pure entspannte Surfstimmung :)
Surfen
bis die Sonne sich schlafen legt und der Vollmond die Erde küsst.
Ich liebe Sunset-Sessions! La Palue hatte nichts ausgelassen, um sich
tief in meiner Surferinnen Seele zu verankern.
Bis
auf eine Frühsession. Man stelle sich eine kleine Surferin vor, die
gemeinsam mit ihrem Urlaubspartner im Sonnenaufgang aufs Meer
paddelt. Wie romantisch ;) Es hat nicht lange gedauert (max. 3
Minuten) bis Andre etwa 150 Meter weiter in der Bucht größere
Wellen ausmachte und weg paddelte. Naja, egal! Schon aus Trotz bin
ich nicht hinterher. Zwei Wellenritte später liege ich nun da
draussen. Nur drei Surfer insgesamt auf dem Wasser. Zwei davon 200
Meter entfernt in den dicken Wellen und ich. Plötzlich kommt ein
Blasenteppich auf mich zu. Schneller als mir lieb ist, liege ich
mitten drin. F***!!! Haie gibt’s hier nicht. Jajajaja... Das
beruhigt nicht wirklich, wenn die erste Möwe links und rasch darauf
die zweite rechts neben einem ins Wasser schlägt. Da wo
Fischschwärme sind, gibt es sicher größere Wasserfiecher, die
Futter suchen. Fluchend, aber mich immer ruhig redend beschließe ich
Hände und Beine auf mein Board zu legen und einfach abzuwarten bis
die größeren Wellen mich mit nehmen. Immer wenn eine ganz fette
dabei war, hab ich gepaddelt wie eine Weltmeisterin. Ein letzter
rettender Ritt zum Strand. Und was macht man da, wenn man in beste
Bedingungen blickt??? Klaro, wieder raus an sicherer Stelle...
Letztendlich
haben diese Anekdoten doch zu einem schönen Urlaubsergebnis geführt.
Wenn man die Wahl zwischen Sylter World Cup Trubel oder einem
dreiwöchigen Bretagne-Surfurlaub zu zweit hat, wofür entscheidet
man sich dann wohl?
Was zu
zweit ganz viel Spaß bringt ist Schlemmen. Morgens mit einem üppigen
Frühstück - mit französischen Baguette versteht sich –
angefangen, wurde die Busküche abends in eine Haute cuisine
verwandelt. Geschnetzeltes zu roten französischen Kartoffeln, Pasta
in sämtlichen Variationen und vieles mehr. Der Standard entsprach
nicht der gewohnt schlichten und Low-Budget ausgerichteten Busküche,
aber tat enorm gut. Zum Dinner wurde stets Rotwein aus dem Tetra-Pack
gezapft ;) Köstlich!
Und
wie lässt Man(n) einen Abend besonders schön ausklingen? Mit live
Gitarrenmusik. Einfach traumhaft.
Für
Magnus startete der Tag hingegen schön, wenn wir durch die herrliche
Landschaft spaziert sind. Die bretonischen Felsformationen und das
milde Klima bieten Dünen und einer mit Büschen und Kleinsträuchern
bewachsenen Vegetation im Hintergrund ausreichend Platz. Der Duft von
Minze liegt in der Luft. Die süßliche Note stammt von den vielen
wild wachsenden Brombeeren, die übrigens ganz lecker schmecken. Der
Morgentau fällt vom wuchernden Farn herab. Nicht ohne Grund, ist die
Bretagne auch für Wanderer bekannt, die wir oft auf den engen Pfaden
durch den Naturpark trafen.
Apropos
Treffen. Da reist man knapp 2000 Kilometer gen Süden und trifft
neben vielen bekannten Gesichtern ohnehin meist deutsche Leute an. In
der ersten Woche waren wir fast ausschließlich in La Palue. Die
Atmosphäre des Spots und des Parkplatzes ist freundlich und
familiär. Wir nannten es dort schnell unser „zu hause“. Ob nun
der ruhige Nachbar mit seinem T 1, der neben den Surfsessions immer
schön gelesen hat, eine Gruppe Iren, die so verdammt geile irische
Stimmungsmusik gemacht hat oder die verrückten Bochumer, mit denen
wir sogar eine lustige Parkplatzparty feierten. Es war fantastisch so
viele neue Menschen kennen zu lernen.
Der
Running Gag waren übrigens wir. Sternchen war ja schon ganz gut
bepackt. Gemäß Andre´s Slogan: „Man muss immer alles dabei
haben“, hatten wir jeder einen Wellenreiter und zwei Windsurfboards
plus zwei Gabelbäume, vier Masten und 7 Segel dabei. Dazu einen
Strandsurfer und mein Longboard. Uns fiel das erst gar nicht so auf.
Aber das gesamte Inventar plus Solardusche sowie Magnus und sein
großer Hundekorb amüsierte unsere Nachbarn stark. „Wir haben uns
schon gewundert, was ihr da noch so alles aus eurer Zauberkiste
holt“, lacht Leon (ein Bochumer) abends bei einem netten Snack.
Nach
drei Wochen Bretagne haben wir eins gelernt: hier bläst es einen
nicht vom Hocker. Man kann getrost das kleine Windsurfmaterial zu
Hause lassen.
Am
nächsten Tag war zwar genug Wind in La Torche vorhanden, aber dafür
war alles auflandig und selbst Sylt hätte jetzt netter ausgesehen.
Wir flüchteten nach „Penhors“, wo es auch nicht gut aussah. Also
fuhren wir weiter bis nach „Kersiny“. Zackig aufgebaut nach
längerer Anreise, ging es aufs Wasser. Andre kämpfte sich durch den
Shorebreak und krallte sich auf dem Rückweg ein paar von den closed
brechenden Wellen. Ich fühlte mich hier nicht so wohl. Der
Kälteeinbruch verstärkte das noch. In meinem 4/3er Neo war es viel
zu kalt. Ich zitterte am ganzen Körper und flüchtete vor einer
Regenfront in den Bus. Leider hielt die Front den ganzen Tag an,
knippste den Wind aus und ließ den Wunsch einer heißen Dusche auf
einem Campingplatz wachsen. Haha! Die hatten aber bereits alle
geschlossen...
Schließlich
strandeten wir wieder auf der Halbinsel Crozon in „Goulien“. Der
beste Windsurfspot des Urlaubs. Zuvor machten wir noch einen
Zwischenstopp in „St. Tugen“. Auch so ein berüchtigter Spot.
Kein Wunder! 2,5 Meter Beachbreak bei kaum fühlbaren Wind...
In
Goulien konnte man sich herrlichst bei Ebbe einfahren. Mit
auflaufendem Wasser wuchsen die Wellen rasch mit, was Wellenreit-Fun
garantiert. Durch die umliegenden Felsen hat man dann nur mit etwas
Luvstau zu kämpfen. Aber was soll´s?! Es lief hier echt gut und wir
kamen zumindest mit großem Material (86 l One und 4,5er Guru) voll
auf unsere Kosten.
Und
wenn der Wind noch nicht zum Windsurfen reichte oder er nachließ,
gingen wir wie viele andere dort Wellenreiten. Das kräftezehrende
Rauspaddeln wurde mit fetten Wellen und langen Wellenritten belohnt
:)
Goulien
und die Bretagne verabschiedete sich für ich mit einer grandiosen
Quatro-Session! Wellenreiten zum Frühstück, Strandsurfen nach dem
Mittag, Windsurfen im Anschluss und eine letzte gemeinsame
Wellreit-Sunset-Session mit dem lieben Urlaubspartner.
Mein
Fazit:
Die
Bretagne ist immer eine Reise wert. Man kann kommt in dieser
einmaligen Naturlandschaft mit bretonischen Felsformationen wunderbar
zur Ruhe, schöpft neue Kraft und Energie und kann täglich Surfen.
Das
Windsurfen tritt etwas in den Hintergrund, macht bei passenden
Bedingungen und diesem Swell aber wahnsinnig Spaß.
Wenn
man geschickt die Spots wechselt, schafft man es zumindest wie wir in
der Nebensaison ohne Campingplatz zu reisen, was ich einfach schöner
finde, da man sich freier fühlt. Duschen kann man in Morgat im
Yachthafen gegen eine geringe Gebühr. Bei „L´Eclerc“ kann man
den Einkauf mit einem Internetzugang verbinden und findet dort auch
eine Toilette mit unserem Standard (sonst haben die Franzosen oft nur
Wannen mit einem Abfluss im Boden).
Mein
Tipp: Wer keinen Partner hat, sucht sich einen Reisebegleiter und
macht einen Öko-Trip. Oder doch einen Love-Trip???
Hang
Loose,
Nadine
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen